Es ist einfach anders, wenn man einen Ort selbst erlebt. Man kann viel darüber lesen und schöne Bilder im Internet anschauen. Aber Bergen persönlich zu entdecken, mit allen Sinnen wahrzunehmen, ist eine ganz andere, viel tiefergreifende Erfahrung. Und das ist, was das Reisen so einzigartig und besonders macht, dass man es immer wieder tun sollte. Also runter vom Sofa und raus in die Welt!
Reisevorbereitung für Bergen: Planung lohnt sich
Eine Reise will gut geplant sein. Meine Erfahrung ist, dass man vor Ort oft überfordert ist und die Informationsbeschaffung teils auch umständlich ist. Zudem sind viele Aktivitäten in Bergen schnell ausgebucht. Um also das maximale Erlebnis zu schaffen und sich vor Enttäuschungen zu bewahren, sollte man ein bisschen Zeit im Vorfeld investieren und sich über mögliche Aktivitäten, Restaurants und Museen in Bergen erkundigen. Vielleicht sich sogar ein bisschen in die Kultur und Geschichte Norwegens einlesen, wobei bei mir die Neugier erst immer kommt, wenn ich dort bin. Vorher ist es alles so weit weg und mühsam. Hier findest du jede Menge Informationen: www.visitnorway.de/reiseziele/fjord-norwegen/bergen/
Ankunft und Unterkunft in Bergen
Wir sind an einem Donnerstag vor Nikolaus in Bergen gelandet. Mit dem Flughafenbus (Flybussen) kommt man ganz bequem und schnell ins Stadtzentrum von Bergen. Er hat sogar direkt vor unserem Hotel, dem Radisson Blu Royal Bergen, gehalten. Das Hotel ist sehr zu empfehlen, denn es liegt direkt in der historischen Altstadt von Bergen, mitten im berühmten Hanseviertel Bryggen.
Wir haben uns ein etwas größeres Zimmer mit Altstadt-Blick gegönnt. So hatten wir eine kleine Sitzecke und einen Tee- und Kaffeekocher, damit wir uns nachmittags immer mal auf dem Zimmer ausruhen konnten.
Fløibanen und Aussicht über Bergen
In Bergen regnet es viel und oft. Nicht jedoch, als wir dort waren. Völlig überrascht von dem wunderschönen Wetter sind wir dann auch ganz spontan mit der Seilbahn Fløibanen auf den Gipfel des Fløyen gefahren. Die Fahrt dauert keine zehn Minuten und ist an sich schon ein Erlebnis, denn es geht ziemlich steil bergauf.
Vom 302 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Fløyen hat man eine großartige Aussicht auf Bergen, den Hafen und die Fjorde, die die Stadt umgeben.
Da wir auf unserem Weg dorthin einen netten Norweger kennengelernt haben, der uns geraten hat, den Rückweg zu Fuß anzutreten, da dies ein sehr schöner Weg wäre, haben wir diesen Rat befolgt. Und es bereut! Noch nie habe ich eine so steile Straße gesehen. Die Schwerkraft hat uns gerade noch so am Boden gehalten. Leider konnten wir aufgrund unserer Wadenkrämpfe die Aussicht nicht wirklich genießen, aber es war schon beeindruckend, was für schöne Villen es am Berghang gibt und vor allem, wie bergig Bergen wirklich ist! Das erlebt man natürlich nicht, wenn man gemütlich Bahn fährt. Auf diese Weise haben wir immerhin einen moosbedeckten Wald und ein sehr schönes Wohngebiet von Bergen erkundet.
Bryggen, Kardamomboller und Weihnachtsmarkt
Nach unserem erfolgreichen Abstieg haben wir uns beim Bäcker Brun für die Anstrengung mit „Kardamomboller“ (Kardamom-Schnecke) belohnt. Es ist ein typisch skandinavisches Gebäck, das wir schon aus Schweden kennen. Kardamom war bereits im Mittelalter für seine wärmende Wirkung bekannt.
So gestärkt haben wir dann noch das alte Zentrum von Bergen besichtigt. Es ist ganz zauberhaft und das absolute Highlight eines Besuchs in Bergen. Die bunten Häuser des Hanseviertels Bryggen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, sind einfach einzigartig. Ich glaube, jeder hat schon mal ein Bild davon gesehen.
Abends war noch Zeit für einen Spaziergang am Hafen von Bergen, von wo aus man einen tollen Blick auf die beleuchteten Holzhäuser hat. Der Fischmarkt beeindruckt mit fangfrischem Fisch und jeder Menge anderer Köstlichkeiten. Wir haben den Tag auf dem Weihnachtsmarkt bei Glögg (Glühwein) und einer Rentier-Wurst beendet.
Tag 2: Fjordtour ab Bergen
Auch am zweiten Tag in Bergen war das Wetter wieder auf unserer Seite. Gegen 9.30 Uhr, da wird es langsam hell, blinzelte die Sonne durch die Wolken und es war schon zu erahnen, dass dieser Tag ein schöner wird. Perfekt für unsere geplante Fjord-Tour ab Bergen mit „Eric the Red“, die gleich neben dem Fischmarkt am Hafen von Bergen losging (Es empfiehlt sich, die Tickets vorab online zu buchen, da die Tour sehr beliebt ist.).
Und so saßen wir völlig überraschend mitten im Winter über zwei Stunden auf Deck, um die wunderschöne Landschaft rund um Bergen hautnah zu erleben. Der eisige Wind ist allerdings nicht zu unterschätzen. Man sollte sich wirklich warm anziehen. Aber was für ein atemberaubendes Erlebnis!
Vom Stadthafen Bergen aus hat man einen guten Blick auf die historische Altstadt mit der mittelalterlichen Festung Bergenhus und der Marienkirche aus dem 12. Jahrhundert. Weiter geht es auf dem Stadtfjord durch die Küstenlandschaft. Zwischen den steilen Felswänden des Osterfjords geht es weiter zum idyllischen Mostraumen, wo das Schiff kaum hindurchkommt. Hier gibt es ein Labyrinth von Inseln und einige kleinere Wasserfälle. Die Fjord-Tour ab Bergen war definitiv ein Highlight unserer Reise.
Weihnachts-Shopping und kleine Entdeckungen
Nachmittags ging es dann zum Christmas-Shopping in die Altstadt von Bergen mit ihren putzigen kleinen Gässchen zwischen den alten Holzhäusern. Besonders faszinierend war es, dass man immer dachte, man betritt einen kleinen Laden, aber dann ging es weiter und weiter von einem Raum in den nächsten und von einem Stockwerk in das nächste. Es ist ein richtiges Labyrinth.
Es gibt sogar ein Weihnachts-Kaufhaus, das voll mit Weihnachtsdeko ist. Und natürlich findet man überall Norweger-Pullis und jede Menge Trolle. Sehr hübsch fand ich den Juwelier Juhls, bei dem es handgefertigten Schmuck nach Vorlage des traditionellen Samischmucks gibt.
Abendessen und Weihnachtsessen in Bergen
Abends waren wir zum Weihnachtsessen im Restaurant Bryggeloftet in Bergen. Ein wirklich gemütliches Restaurant, das lokale Spezialitäten wie zum Beispiel Rentier anbietet. Und sehr leckeres Weihnachtsbier.
Bemerkenswert war für uns, dass die Frauen luftige, ärmellose Abendkleider anhatten. Das würde man bei uns im Winter definitiv nicht anziehen. Aber hier wird innen immer ordentlich geheizt. Die Herren trugen Anzug mit Krawatte. Das ist schon sehr anders als bei uns.
Tag 3: Museum und moderne Innenstadt
Zu meiner Freude gab es morgens beim Frühstück Brunost, einen süßlichen braunen Käse, den es nur in Norwegen gibt. Ich bin großer Fan davon und mag ihn am liebsten auf Knäckebrot. Brunost ist eigentlich kein Käse, sondern karamellisierte Molke.
Um etwas mehr über die Geschichte von Bergen zu erfahren, sind wir in das kleine Heimat-Museum gegangen. Leider war da nicht viel zu sehen. Auf den Tafeln, die in der Altstadt von Bergen hängen, bekommt man mehr Informationen. Das als kleiner Tipp.
Dann haben wir noch den modernen Teil der Stadt Bergen besichtigt. Allerdings war es ein Samstag vor Weihnachten und da ist es genauso rappelvoll in der Innenstadt, wie wir es kennen. Daher haben wir uns noch ein wenig auf unserem Zimmer entspannt, um für unser heutiges Abendprogramm gut ausgeruht zu sein.
Weihnachtskonzert und kulinarischer Abschluss
Heute haben wir ein typisches Weihnachtsessen im Restaurant Bien Basar in Bergen ausprobiert. Total im Trend ist Pinnekjøtt, gesalzene, getrocknete Lammrippen. Für unsere Nasen war der Geruch etwas gewöhnungsbedürftig. Wir haben uns daher lieber ein traditionelles Fischgericht bestellt: Kabeljau mit Erbsenpüree, Kohl und Kartoffeln.
Nach einem kurzen Spaziergang über den Weihnachtsmarkt von Bergen stand heute Abend noch ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm: ein Weihnachtskonzert mit Eva Weel Skram im Konzerthaus Grieghallen. Ich habe noch nie so eine wunderschöne, elfenhafte Stimme gehört. Es hat mich ganz verzaubert. Was für ein schönes Weihnachtskonzert! Das war der perfekte Abschluss unserer Weihnachtsreise nach Bergen in Norwegen. Ich hoffe, ich kann mir noch etwas von diesem Weihnachtszauber bewahren.
Bergen im Winter hat mich überrascht – leise, klar und viel wärmer, als ich es erwartet hätte.
Tipp für die Heimreise:
Noch ein Tipp: Am Flughafen in Bergen werden Kardamom Buller frisch gebacken. Unbedingt mitnehmen! Sie lassen sich super einfrieren (falls sie die Reise überleben und ihr sie nicht alle vorher schon gegessen habt).
